Akzentfrei Deutsch sprechen (Akzent loswerden): Was heißt das und wie geht das?

VonBenjamin

Akzentfrei Deutsch sprechen (Akzent loswerden): Was heißt das und wie geht das?

Viele von euch wollen akzentfrei Deutsch sprechen bzw. ihren Akzent reduzieren. Doch was bedeutet das eigentlich? Was gehört dazu? Was gilt es zu lernen und zu beachten? Welche Faktoren beeinflussen eigentlich unseren Akzent? Und kann man überhaupt seinen Akzent loswerden?

 

Transkript:

Ich möchte so gern meinen Akzent loswerden oder zumindest reduzieren. Na ja, auf jeden Fall verbessern. Was bedeutet das eigentlich? Was bedeutet es, seinen Akzent loszuwerden, zu reduzieren oder zu verbessern? Und was muss man dabei beachten? Genau darum geht es heute.

Hallo liebe YouTube-Deutschlerner und willkommen bei Deutsch mit Benjamin, der ersten Adresse für alle fortgeschrittenen Deutschlerner, die ihre Deutschkenntnisse perfektionieren wollen und ihren Akzent loswerden, reduzieren oder eben verbessern wollen!

So, und gleich am Anfang mal zu dieser Frage nochmal: Was ist eigentlich der Unterschied? Also warum sagen wir eigentlich diese… diese drei verschiedenen Verben, die normalerweise überhaupt keine Synonyme sind? Also loswerden heißt ja eigentlich, dass ich was nicht mehr haben will. Reduzieren heißt, dass ich es doch noch haben werde, aber einfach ein bisschen abschwächen will oder weniger davon haben will. Und was war das Dritte? Verbessern bedeutet ja eigentlich, das ist ja eigentlich schon eine Wertung. Also damit sage ich ja eigentlich, dass das, was ich jetzt hab, nicht gut ist. Und ich will, dass es besser wird. Also ich will es auch behalten. Ich will es nicht loswerden, aber ich will, dass es besser wird. So, warum benutzen wir diese drei völlig verschiedenen Verben in Kollokation mit „Akzent“ und meinen aber eigentlich immer wieder dasselbe, obwohl diese drei Verben an sich eigentlich keine Synonyme sind? Aber wir benutzen sie im Zusammenhang mit dem Akzent synonym. Woran liegt das?

Ganz einfach. Das liegt daran, dass wir uns erst einmal bewusst machen müssen, was wir eigentlich unter einem Akzent verstehen. Und das ist nämlich manchmal gar nicht so klar. Und das liegt auch wiederum daran, dass wir im Volksmund – auch wir Muttersprachler – was übrigens nicht nur für die deutsche Sprache, sondern auch für viele andere Sprachen gilt, diesen Begriff Akzent nicht ganz exakt benutzen.

Das typischste Beispiel für diesen Begriff, wie wir den benutzen, ist ja, wenn jemand z.B. Deutsch spricht und man hört sofort, dass er nicht aus Deutschland kommt, dass er kein deutscher Muttersprachler ist, dann würde man z.B. sagen: Kommst du aus Russland? Du hast so einen leichten russischen Akzent, beispielsweise. Ja, und das, das meinen wir, wenn wir Akzent sagen. Und was meinen wir damit aber eigentlich ganz genau? Und da gebe ich euch auch nochmal ein Beispiel.

Nämlich wenn ich Englisch spreche. Wenn ich Englisch spreche, dann wird mir ganz oft von Muttersprachlern – von englischen Muttersprachlern – gesagt, dass ich einen super guten Akzent hätte oder einen leichten Akzent, sagen manche auch, oder schwachen Akzent, keinen deutschen Akzent, und dass sie aber doch noch hören können, wo… oder dass ich kein Muttersprachler bin, kein englischer Muttersprachler. So, und wenn ich dann frage, woran das liegt, dann sagen sie mir: Hm, ich weiß es eigentlich auch nicht. Also dann frage ich z.B.: Okay, gibt es Laute, die ich falsch ausspreche? Dann sagen die: Nein, gibt’s nicht. Du sprichst alle Laute eigentlich richtig aus. Okay, woran liegt es dann?

Naja, und daran sehen wir schon: Auch wenn ich alle Laute richtig ausspreche, auf Englisch, können Muttersprachler trotzdem noch erkennen, dass ich kein Engländer oder kein Amerikaner bin. Woran liegt das? Das liegt daran, dass eben die Aussprache von Lauten nicht das einzige ist, was unseren Akzent ausmacht. Das heißt, wenn… wenn ihr jetzt z.B. einen Deutschen oder eine Deutsche fragen würdet, dann könnten euch die Deutschen konkret sagen: Ja, du, du sprichst den und den Laut nicht so gut aus oder falsch aus. Und das kann man sehr leicht identifizieren. Das kann man sehr leicht erkennen. Die anderen Faktoren, die da mit reinspielen – und das ist ganz, ganz wichtig an dieser Stelle, dass eben nicht nur die Aussprache für den Akzent verantwortlich ist, sondern auch noch andere Faktoren eine ganz große Rolle spielen – die werden oft quasi übersehen bzw. man kann sie nicht so klar in Worte fassen. Vor allem nicht, wenn man sich mit diesem Thema des Sprachenlernens und von verschiedenen Akzenten nicht auskennt oder wenn man sich damit nicht auseinandersetzt, wenn man also, ja, kein Lehrer ist oder kein Sprachwissenschaftler oder diesen Hintergrund einfach nicht hat, dann… dann kann man als, ich sage jetzt mal durchschnittlicher Muttersprachler einfach, der mit Sprachen so in dem Sinne nichts zu tun hat, mit Fremdsprachen, dann kann man Laute, falsch ausgesprochene Laute, das kann man klar sagen, da kann man sagen: Hey, du sprichst den und den Laut nicht richtig aus. Aber was das andere angeht, das kann man nicht so klar sagen. Und ich möchte euch hier und heute sagen, welche anderen Faktoren das sind, was da also auch mit reinspielt.

Und neben der Aussprache ist es zum einen die Intonation. Bei der Intonation müssen wir auch wieder aufpassen, denn das ist auch wieder ein Begriff, der auch in der Fachliteratur nicht ganz klar definiert ist. Manche verstehen unter der Intonation die Betonung von Wörtern und Silben, z.B. ob wir sagen Monat oder Monat. Also was sagen wir? Wir sagen natürlich die erste Variante: Monat [ˈmoːnat] mit der Betonung auf der ersten Silbe. Das versteht…. verstehen einige unter dem Begriff der Intonation, also die Betonung.

Und andererseits gibt es aber auch Leute – und auch in verschiedenen Büchern wird Intonation geschrieben – und man versteht dann darunter aber nicht die Betonung, sondern die Melodie, die Sprechmelodie. Beispielsweise ob ich sage: „Ich lebe hier schon seit 22 Jahren.“ oder ob ich sage: „Ich lebe hier schon seit 22 Jahren.“ Also an dieser Melodie könnt ihr einen Unterschied erkennen, in meiner Emotion. Oder vielleicht noch eine dritte Variante: „Ich lebe hier schon seit 22 Jahren.“ Ja, also merkt ihr? Wenn die Melodie sich ändert, dann ändert sich logischerweise auch die Nachricht, die Botschaft, die ich damit übermittle, mit dem Satz. Ja, es ist eigentlich immer wieder derselbe Satz, aber unterschiedliche Melodieverläufe können unterschiedliche Bedeutungen am Ende hervorrufen. Also das spielt beides auch eine ganz wesentliche Rolle, wenn es um unseren Akzent geht. Das heißt, neben der Aussprache eben auch die Intonation – und konkret da eigentlich zwei verschiedene Arten von Intonation, je nachdem, wie man den Begriff versteht – aber beides spielt eine eine Rolle, also die Sprechmelodie und die Betonung.

Als nächsten Faktor haben wir Reduzierungen und Assimilationen. Darunter versteht man Verkürzungen von Lauten und Silben. Beispielsweise habe ich jetzt gesagt:

Lauten und Silben [ˈlaʊ̯tʔn̩ ʊnt ˈsɪlbm̩]

Ich habe nicht gesagt:

Lauten und Silben [ˈlaʊ̯tən ʊnt ˈzɪlbən]

sondern:

Lauten und Silben [ˈlaʊ̯tʔn̩ ʊnt ˈsɪlbm̩]

Ja, also ich habe das verkürzt. Und Assimilation bedeutet, dass verschiedene Laute sich anderen Lauten – je nachdem, wie die in Kombination auftreten, welcher Laut davor und welcher Laut danach kommt – anpassen können. Das heißt Assimilation. Auch wieder: Ich habe gesagt: Lauten und Silben, Lauten und Silben. Ja, also merkt ihr, dass ich z.B. … Normalerweise würde ich sagen:

Silben [ˈzɪlbm̩] – wenn ich dieses Wort einzeln ausspreche.

Wenn aber davor der Laut [t] kommt, wegen „und“, dann sage ich:

und Silben [ʊnt ˈsɪlbm̩]

Dann wird aus diesem stimmhaften [z] plötzlich ein stimmloses [s]. Und genauso:

Silben [ˈsɪlb]

Am Ende sage ich ein [m] wegen dem [b] davor. Das sind also Assimilationen.

Also ich möchte nicht so viel über die einzelnen Faktoren heute sprechen – ich möchte einfach nur, dass ihr euch einen Überblick verschaffen könnt und dass wir auch gegenseitig ein Grundverständnis uns hier klarmachen, sozusagen bewusst machen, was ihr auch hier auf meinem Kanal, sozusagen, ja, wie ihr das verstehen könnt, die einzelnen Begriffe, die ich benutze, dass ihr wisst, was ich eigentlich meine, wenn ich sage z.B. natürlicher Akzent, Akzent reduzieren, Akzent verbessern usw. Was meine ich eigentlich damit und welche Aspekte spielen da eben mit rein?

So, jetzt hatten wir die Aussprache – offensichtlich, das weiß wahrscheinlich jeder – dann die Betonung, die Sprechmelodie, Reduzierungen und Assimilationen und zum Schluss noch – aber nicht weniger wichtig, also all diese Faktoren spielen eine wesentliche Rolle und dürfen nicht vernachlässigt werden; sobald ich einen Faktor vernachlässige, kann ich diesen natürlichen Akzent, diesem Ziel, einen natürlichen Akzent zu erreichen, sozusagen, nicht mehr gerecht werden, ja, das ist ganz, ganz wichtig, auch zu verstehen, dass diese… diese verschiedenen Faktoren eine gleich wichtige Rolle spielen. Jeder Faktor ist gleich wichtig. Das ist ganz, ganz essentiell in diesem Video.

Also der letzte Faktor, den ich ansprechen möchte, der also in den Akzent mit reinspielt, ist die Stimmlage und auch die Stimmhöhe. Das fasse ich zusammen, weil das miteinander verbunden ist. Und ich erkläre euch den Unterschied.

Ich beginne mit der Stimmhöhe. Das ist offensichtlich, relativ selbsterklärend. Die Stimmhöhe ist ganz einfach, ob meine Stimme hoch oder tief ist. Also ganz einfach die Höhe des Tons, die Höhe der Stimme. Also das spielt eine Rolle. Die deutsche Sprache liegt z.B. ziemlich tief. Ja, wir sprechen im Vergleich zu anderen Sprachen relativ tief. Das ist das erste.

Und das zweite ist die Stimmlage. Und das bedeutet, wo eigentlich der Körper… oder welcher Punkt im Körper vibriert, wenn wir sprechen, d.h. wo entsteht die Stimme? Wo wird sie gebildet? Und dazu zeige ich euch ganz einfach mal einen Ton. Ich spreche einfach mal den Vokal [a:] aus und ich werde den Vokal die ganze Zeit auf demselben Ton, also in derselben Höhe aussprechen, aber ich werde diese Stimmlage verändern. Und dann klingt das so. Klingt sehr lustig. Aber habt ihr gemerkt? Ich habe den Ton nicht verändert. Ich werde nochmal die diese drei extremen Unterschiede zeigen, also den mittleren Ton, den ich benutzt habe, dann den höchsten und den niedrigsten. Das klingt dann so. Es ist immer derselbe Ton, also immer die gleiche Stimmhöhe, aber die Stimmlage hat sich unterschieden.

All diese Faktoren – ich fasse nochmal ganz kurz zusammen – spielen in den Akzent rein und mit all diesen Faktoren werdet ihr euch auseinandersetzen bzw. auseinandersetzen müssen, wenn ihr zum Ziel habt, einen natürlichen Akzent auf Deutsch hinzubekommen. Es muss nicht so sein, dass ihr exakt wie ein Muttersprachler sprechen werdet. Das schaffen nur wenige, vor allem, wenn man später, als also als Erwachsener schon…. wenn man schon erwachsen ist und mit der Sprache beginnt, dann ist es schwierig, wirklich exakt wie ein Muttersprachler zu klingen. Und das ist ja auch gar nicht unbedingt nötig. Aber einen natürlichen Akzent zu bekommen, hinzubekommen, ist ein sehr schönes Ziel, weil man damit definitiv mehr Anerkennung findet.

Und zumindest in Deutschland ist es so: Wenn ein Nicht-Muttersprachler mit einem sehr, sehr natürlichen, geschmeidigen, wirklich angenehmen Akzent spricht, dann bescheinigt man dieser Person automatisch gute Deutschkenntnisse und Intelligenz. Und oftmals, wenn man einen Akzent hört, der sehr stark ist, der nicht natürlich klingt, dann wird es unangenehm zuzuhören und viele Leute machen das unbewusst. Ich würde das nicht machen, weil ich Deutschlehrer bin. Aber viele Leute, die wie gesagt mit Sprachen nichts am Hut haben und sich damit nicht auseinandersetzen, die machen das zwar auch nicht bewusst so, aber das ist einfach in denen drin, dass sie dann das Gefühl bekommen: Okay, der spricht vielleicht nicht so gut Deutsch, der versteht mich vielleicht auch nicht so gut. Ja, was vielleicht gar nicht stimmt. Also vielleicht ist euer Wortschatz total breit, vielleicht breiter als der der Person. Aber ja, das kann man eben auf den ersten Blick nicht hören.

So, also ich fasse nochmal zusammen, welche Faktoren ganz, ganz wichtig sind und alle diese Faktoren eine gleich wichtige Rolle spielen: nämlich

– die Aussprache

– die Betonung

– die Sprechmelodie

– Reduzierungen und Assimilationen und

– die Stimmlage und damit verbunden die Stimmhöhe.

Okay, ich hoffe, dass dieses Video euch einen, ja, groben Überblick schon mal gegeben hat und dass ihr jetzt eine bessere Vorstellung habt, worauf ihr zu achten habt, was wichtig ist, wenn ihr euren Akzent reduzieren, verbessern oder loswerden wollt. Wie auch immer. Übrigens zum Schluss noch: Akzent loswerden ist irgendwie komisch, weil jeder hat einen Akzent. Ihr könnt ja sehen, dass diese ganzen Aspekte da eine Rolle spielen. Also auch ich als deutscher Muttersprachler: Ich habe auch eine bestimmte Aussprache. Ich benutze auch eine bestimmte Sprechmelodie. Ich habe auch… Ich betone auch die Wörter. Was hatten wir noch? Ich reduziere Laute. Ich assimilierte Laute. Und ich…. Meine Stimme hat auch eine bestimmte Höhe und eine bestimmte Lage. Also ich habe auch einen Akzent. Ich habe allerdings einen muttersprachlichen Akzent. Also „Akzent loswerden“ ist eigentlich Quatsch. Ja, man kann sagen, dass man seinen Akzent reduzieren möchte, vielleicht seinen… oder den Akzent aus seiner Muttersprache reduzieren möchte. Oder man kann sagen, dass man natürlicher Deutsch sprechen möchte. Man kann das Wort „Akzent“ einfach vermeiden. Ja, genau, so viel noch dazu.

Wenn euch das Video gefallen hat, dann gebt doch gerne einen Daumen nach oben und abonniert meinen Kanal mit Benachrichtigungen. Das wäre super. Und schreibt mir doch mal in die Kommentare, welcher dieser Aspekte, die wir heute behandelt haben oder die ich euch heute erst einmal so vorgestellt habe – behandelt in dem Sinne haben wir sie ja noch gar nicht – welcher euch am meisten interessiert. Also was würdet ihr gerne von mir vielleicht noch näher erläutert bekommen? Über die Aussprache gab es ja schon auf meinem Kanal relativ viel, wird es natürlich auch weiterhin geben. Zu all diesen Aspekten wird es in der Zukunft immer wieder auch mal ein Video geben. Aber was interessiert euch denn momentan am meisten? Worüber würdet ihr denn gern mehr erfahren? Schreibt mir das doch mal bitte in die Kommentare. So, das war’s für heute. Ich danke euch fürs Zuschauen. Ihr lernt Deutsch mit Benjamin auf YouTube und ich freue mich auf euch im nächsten Video.

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