Ist R ein Vokal? | Aussprachetraining: a-Schwa [ɐ] | Aussprache R

VonBenjamin

Ist R ein Vokal? | Aussprachetraining: a-Schwa [ɐ] | Aussprache R

Das heutige Sprechtraining ist ein Muss für jeden, der richtig Deutsch sprechen und seine deutsche Aussprache verbessern will. Wir lernen und üben hier das a-Schwa (auch vokalisches R oder vokalisiertes R genannt). In der standarddeutschen Umgangssprache wird der Buchstabe R nämlich meistens als a-Schwa gesprochen. Ausschlaggebend ist hierbei, dass dieser Laut nichts mit dem konsonantischen R zu tun hat. Diese Lektion stammt aus dem Kurs über deutsche Vokale und Diphthonge meiner Online-Akademie.

 

Transkript:

Heißt es eigentlich [hiːʁ] oder [hiːɐ̯], [ʃaʁf] oder [ʃaɐ̯f]? Dieser Frage wollen wir in diesem Video auf den Grund gehen.

Heute möchte ich euch ein Video aus meiner Online-Akademie zeigen. Also ihr habt ja wahrscheinlich mitbekommen, dass ich eine Online-Akademie habe jetzt mittlerweile schon seit knapp einem halben Jahr. Im November 2020 habe ich sie eröffnet und im Grossen und Ganzen handelt es sich dabei um eine Online-Lernplattform für fortgeschrittene Deutschlerner mit den Schwerpunkten Aussprache, Akzentreduzierung und Hörverstehen. So und innerhalb dieser Online -Akademie gibt es verschiedene Online-Kurse zu dem man automatisch Zugang bekommt.

Also zu all diesen Kursen der Online-Akademie, wenn man sich in der Akademie anmeldet, wenn man also die Mitgliedschaft abschließt. Und einer dieser Online-Kurse handelt von deutschen Vokallauten. Da geht es also um die deutschen Vokale und auch Diphthonge. Das heißt, alle diese Vokallaute, die wir in der deutschen Sprache haben, all diesen Lauten widmen wir uns in den einzelnen Kapiteln dieses Kurses und heute möchte ich euch eben hier auf YouTube eins dieser Videos zeigen aus diesem Vokalkurs und zwar das Video zum a-Schwa. Das a-Schwa das wird auch vokalisches r genannt. Ihr werdet das später in dem Video auch noch mal hören und ganz ganz wichtig ist mir dass aber gleich am Anfang auch noch einmal zu betonen. Das ist wahrscheinlich die allerwichtigste Informationen des gesamten Videos der gesamten Lektion heute. Nämlich, dass wir im Deutschen unterscheiden zwischen einem konsonantischen r und einem vokalischen r. Und das ist ganz wichtig, deswegen schreibt euch das sozusagen hinter die Ohren. Eine Redewendung bedeutet: merkt euch das ja, das ist ganz ganz wichtig, eine sehr sehr wichtige Information. Schreibt euch das hinter die Ohren. So ich zeige euch jetzt das Video. Alles, was ihr zu meiner Online-Akademie wissen müsst, beziehungsweise wenn ihr überhaupt etwas dazu wissen wollt, dann findet ihr den Link unter dem Video. Ich teile den Link direkt in dieser Videobeschreibung und auch unten in den Kommentaren. So und jetzt viel Spaß beim Video!

Für den Buchstaben R gibt es im Deutschen vier Aussprachevarianten, also 4 mögliche Laute. Da gibt es zum einen das konsonantische R – davon gibt es 3 Varianten, die alle richtig und nicht bedeutungsunterscheidend sind. Darum geht es in diesem Video nicht. Und zum anderen gibt es das vokalische R, das auch a-Schwa genannt wird. Und darüber sprechen wir heute in diesem Video. Ihr lernt die richtige Aussprache dieses Lautes, der mit dem Konsonanten [ʁ] oder [r] nichts zu tun hat.

Es ist nämlich tatsächlich so, dass der Buchstabe R zwar ein Konsonantenbuchstabe ist, in den meisten Fällen in der deutschen Sprache aber tatsächlich als Vokal ausgesprochen wird. Und es ist ganz wichtig, dass wir uns das mal kurz bewusst machen. In sehr vielen Sprachen, vielleicht auch in eurer Muttersprache gibt es einfach nur den Konsonanten [ʁ] oder [r]. Und im Deutschen gibt es dazu noch eben noch einen Vokal für den Buchstaben R. Wir sagen nämlich auf keinen Fall [hiːʁ], sondern [hiːɐ̯]. Ich spreche das Wort jetzt mal in Zeitlupe aus. Und dann werde ich zusätzlich zu der Zeitlupe… Ich spreche es einfach langsam aus und zusätzlich werde ich es dann mit dem Computer noch um 50% reduzieren. Und dann werdet ihr feststellen, wie das klingt.

So, am Ende des Wortes haben wir den Laut [ɐ]. Und das ist ganz genau das a-Schwa oder auch das vokalische R. Ich bevorzuge allerdings den Begriff „a-Schwa“, den ich auch immer benutze, weil der Begriff klar macht, dass es ein Vokal ist und nichts mit dem [ʁ] zu tun hat. Es ist kein Konsonant, sondern ein Vokal. Und er ist dem langen [a:], das wir z.B. in dem Wort „ja“ aussprechen, ziemlich ähnlich. Deswegen benutze ich eben lieber diesen Begriff: a-Schwa.

Die Zungenspitze berührt wie beim langen [a:] die unteren Schneidezähne. Die Zunge befindet sich mittig im Mund. Allerdings ist im Gegensatz zum [a:] der Mund hier bei dem a-Schwa nur ganz ganz leicht geöffnet, der Unterkiefer senkt sich also kaum und damit ist auch der hintere Zungenrücken ein klein wenig angehoben. Außerdem ist das a-Schwa viel tiefer und viel leiser. Tiefer – [ˈthiːfɐ]. Leiser – [ˈlaɪ̯zɐ].

Weitere Beispiele mit dem a-Schwa:

Ganz ganz wichtig ist hier wirklich, dass ihr drauf achtet, in diesen Wörtern eben nicht [ʁ] oder [r] auszusprechen. Denn genau das würde einen typischen fremdsprachlichen Akzent ausmachen. Es gibt zwar tatsächlich ein paar Regionen vor allem in Westdeutschland, Nordrhein-Westfalen z.B., wo die Leute in diesen Wörtern den Laut [ʁ] aussprechen würden, das Problem ist aber: dadurch, dass ihr wahrscheinlich nicht all die anderen Ausspracheregeln und -gewohnheiten, die in diesen Regionen, in diesen Dialekten üblich sind, berücksichtigt, hört sich das dann unnatürlich an. Ja, und im Standarddeutschen sprechen wir hier auf jeden Fall das a-Schwa aus und nicht [ʁ], oder [r].

Ihr könnt ja z.B. mal euer Handy nehmen und euch einfach mal selbst aufnehmen, während ihr diese Wörter aussprecht, euch das dann nochmal anhören, um festzustellen, ob ihr da nicht doch noch ein [ʁ] oder [r] oder so was hört. Und wenn ja, dann sagt das Wort nochmal und stellt euch dort eher ein ganz kurzes A mit tiefer Stimme vor, aber auf keinen Fall ein konsonantisches [ʁ] oder [r].

Und wann wird der Buchstabe R nun als a-Schwa ausgesprochen?

Grundsätzlich könnt ihr euch merken: wenn der Buchstabe R innerhalb einer Silbe nach einem Vokal kommt, dann wird dort ein a-Schwa ausgesprochen. Oder anders gesagt: ein a-Schwa wird nicht ausgesprochen, wenn der Buchstabe R am Wort- oder Silbenanfang oder nach einem Konsonanten steht.

Also, z.B.: er war erst vorgestern in der Oper. Siebenmal der Buchstabe R, aber nirgendwo sage ich [ʁ] oder [r], sondern jedes Mal das a-Schwa, weil der Buchstabe in all diesen Fällen nach einem Vokal steht.

Ganz typisch ist, wie ihr seht, die Endung bzw. Buchstabenkombination <er>. Nehmen wir noch einen Satz: wir feiern am ersten September. Wieder mehrmals der Buchstabe R und überall a-Schwa.

Am Wort- und Silbenanfang und nach einem Konsonanten sprechen wir wie gesagt kein a-Schwa, z.B. in den Wörtern „rot“ oder „frisch“. Manchmal kommt es auch zur Verschiebung von Silbengrenzen und dann kann es sein, dass der Buchstabe R in verschiedenen deklinierten oder konjugierten Formen unterschiedlich ausgesprochen wird.

Zum Beispiel bei dem Wort „Fahrer“ mit a-Schwa am Ende, der Fahrer – aber: die Fahrerin – -rin. Oder:
das Haus ist schöner als das erste. – schö-ner. A-Schwa am Ende.

Aber: Das ist das schönere Haus von beiden. – schö-ne-re. Hier haben wir den Konsonanten.

Oder hier das Verb „studieren“:
ich studiere – drei Silben: stu-die-re – kein a-Schwa, weil der Buchstabe R am Anfang der letzten Silbe ist

Aber:
du studierst – zwei Silben: stu-dierst – hier haben wir ein a-Schwa, weil der Buchstabe R ja hier nach einem Vokal steht.

Besonders in der ich-Form von Verben gibt es dann deshalb auch zwei richtige Aussprachevarianten. Nehmen wir mal ein anderes Verb: hören. Wenn ich sehr deutlich sprechen will, in einer Prüfung oder in einem großen Saal, dann sage ich: ich höre Sie leider nicht. – höre – 2 Silben – ohne a-Schwa. Aber wie ihr sicher schon wisst, wird das E am Ende der ich-Form von Verben meistens weggelassen. Dann würde ich also z.B. in einem Skype-Call sagen: ich hör Sie leider nicht. – hör – 1 Silbe: hör – mit a-Schwa am Ende. Weil der Buchstabe R hier nach einem Vokal steht.

Nochmal der Kontrast: ich höre – ich hör.

Oder auch: ich wäre – ich wär.
Wir fahren (ganz formell, ganz übertrieben deutlich) – ja, aber normalerweise würden wir sagen: wir fahren.

Auch Wörter mit den unbetonten Präfixen er-, ver-, zer-, her- und vor- mit dem a-Schwa.

erkennen – sehr deutlich gesprochen: [ɛɐ̯ˈkɛnən]. – Normal gesprochen ist das Präfix sehr schnell und sehr tief: [ɛɐ̯ˈkɛn]

verstehen – sehr deutlich gesprochen: [fɛɐ̯ˈʃteːn] – normal gesprochen nur mit a-Schwa: [fɐˈʃteːn]

zerstört – sehr deutlich gesprochen:  [t͡sɛɐ̯ˈʃtøːɐ̯th] – normal gesprochen nur mit a-Schwa: [t͡sɐˈʃtøːɐ̯th]

herbeiführen – [hɛɐ̯ˈbaɪ̯ˌfyːʁən]

Oder: vorbei – [fɔɐ̯ˈbaɪ̯]. Oder Wörter mit den betonten Präfixen her- und vor-: herkommen – [ˈheːɐ̯ˌkɔm], der Vorname – [ˈfoːɐ̯ˌnaːmə]

In Berlin und Brandenburg spricht man statt des a-Schwas übrigens oft ein noch offeneres [a], also so wie das ganz normale A. Beispielsweise könnte jemand sagen: er meinte, dass er zu seiner Mutter fahren will. So würde man in Berlin sprechen. Also statt des a-Schwas ein noch offeneres A.

Und damit sind wir am Ende des Videos zum a-Schwa aus meiner Online-Akademie aus dem Online-Kurs über deutsche Vokale angekommen. Alle Informationen zu meiner Online-Akademie findet ihr unter dem Video, einmal in der Info-Box und auch nochmal in den Kommentaren.

Ihr lernt Deutsch mit Benjamin auf You-Tube und ich freue mich auf euch im nächsten Video!

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