Modalpartikel ETWA / DOCH NICHT ETWA | Wortschatz B2 C1 C2 | Deutsche Aussprache

VonBenjamin

Modalpartikel ETWA / DOCH NICHT ETWA | Wortschatz B2 C1 C2 | Deutsche Aussprache

Um wie ein deutscher Muttersprachler zu klingen, verwendet Modalpartikeln und reduziert bzw. verbindet Wörter. In diesem Video behandeln wir die Modalpartikel ETWA und die Kollokation DOCH NICHT ETWA. Ihr lernt, wann ihr es benutzt und wie ihr es richtig und schnell aussprechen könnt. Somit werdet ihr euren Wortschatz erweitern und eure Aussprache verbessern.

Transkript:

Hallo liebe YouTube-Deutschlerner! Vor Kurzem habe ich auf Instagram und TikTok ein Video veröffentlicht, in dem ich 5 Sätze für den Sommer vorgestellt habe. Falls ihr das nicht gesehen habt, verlinke ich euch das unten in der Beschreibung. Daraufhin gab es dann viele Fragen zu den Redewendungen, zu den umgangssprachlichen Ausdrücken, zu einer nicht so oft in Lehrbücher anzutreffenden grammatikalischen Struktur und auch zu der Modalpartikel „etwa“. Da immer wieder gesagt wird, dass Modalpartikeln so schwierig sind, dass sie so typisch deutsch sind und viele von euch nicht genau wissen, wie man sie richtig verwendet, möchte ich euch im heutigen Video erklären, was die Modalpartikel „etwa“ bedeutet. Also wann man das sagt und wie das im Satz klingt. Generell ist es ja sehr wichtig, dass man neue Wörter mit Hilfe von Erklärungen in deutscher Sprache lernt. Dass man sie sich im Kontext anschaut und dass man sich mit der Aussprache und der Betonung dieser Wörter beschäftigt. Und bei Modalpartikeln ist das besonders wichtig, da es dafür meistens gar keine Übersetzung in andere Sprachen gibt und in der Regel gibt es auch kein Synonym, also zumindest kein einziges Wort, was dieselbe Bedeutung hat. Und je nachdem, wie man sie betont, kann sich auch die Bedeutung ändern. Wenn ihr dieses Video bis zum Ende anschaut, verbessert ihr eure Aussprache, euer Hörverständnis und ihr lernt euch wie ein Muttersprachler auszudrücken. Bleibt also dran!

Wir beginnen also mit der Aussprache. ETWA. Das Wort hat zwei Silben. Beide Silben haben jeweils nur zwei Laute. Die erste Silbe ist betont. Sie beginnt mit einem kurzen [ɛ] – wie der Umlaut Ä, aber kurz. und sie endet mit einem [t].[ˈɛt] Das klingt wie dieses Symbol hier: @. Die zweite Silbe ist unbetont, sie beginnt mit einem W-Laut [v] und endet mit einem kurzen [a], [va]. Bei dem T befindet sich die Zungenspitze ganz vorne im Mund, direkt hinter den oberen Schneidezähnen. [t] Die Luft strömt nach außen, [t]. Der Mund ist dabei ganz leicht geöffnet. [t] Bei dem Übergang vom T zum W also vom [t] zu [v] wandert die Zunge einfach nur nach unten. Also beim [t] ist sie hinter den oberen Schneidezähnen und beim [v] ist sie dann hinter den unteren Schneidezähnen. Und die oberen Schneidezähne, die berühren jetzt die Unterlippe. Versucht mal diesen Übergang vom [t] zum [v]. So viel zur Aussprache.

Kommen wir nun zur Bedeutung. Das Wort kann nicht nur als Modalpartikel, sondern auch als Adverb fungieren. Heute geht es uns nur um die Modalpartikel. Zu dem Adverb ETWA mache ich später ein anderes Video. Wenn ihr das sehen wollt, abonniert am besten meinen Kanal und aktiviert Benachrichtigung. Dann verpasst ihr dieses Video nicht. Als Modalpartikel wird das Wort ETWA in Ja/Nein-Fragen verwendet. Man drückt damit aus, dass man überrascht, oder auch erstaunt oder entsetzt ist, bzw. dass man sich Sorgen macht, oder dass man etwas nicht glaubt. Etwas klingt total unglaublich, wie als könnte es nicht Wahr sein. Und eigentlich hofft man bzw. erwartet man, dass die Frage, die man stellt, dann in der Antwort verneint wird. Stellt euch zum Beispiel mal vor, ihr sitzt mit Freunden irgendwo draußen in einem Park, es sind 25 Grad, also eigentlich ziemlich angenehm warm und einer eurer Freunde zieht sich plötzlich eine Jacke an. Dann könntet ihr sagen: Frierst du etwa? Ist dir etwa kalt? Also ihr könnt euch in dieser Situation einfach nicht vorstellen, dass er friert, also dass ihm kalt ist. Weil es sind ja 25 Grad und ihr denkt euch: Das ist doch nicht kalt. Das ist doch total angenehm. Frierst du etwa? Ist dir etwa kalt? Man könnte auch sagen: Du frierst doch nicht etwa. Dir ist doch nicht etwa kalt. Dann wird das immer in dieser Kollokation benutzt. Also immer diese drei Wörter zusammen: Doch nicht etwa. Das bedeutet genau dasselbe, ist dann aber von der Grammatik her kein Fragesatz mehr. Es hat aber genau dieselbe Bedeutung wie die Frage. Man erwartet dann also eigentlich auch eine Antwort. Man könnte am Ende noch „oder“ hinzufügen. Du frierst doch nicht etwa, oder? Dir ist doch nicht etwa kalt, oder?

Oder noch ein anderes Beispiel: Ich lebe ja in Tschechien, was ja nicht so üblich ist für Deutsche. Und wenn ich jemanden kennenlerne und die Leute erfahren dann, dass ich eben in Tschechien lebe, dann stellen die mir manchmal diese Frage: Kannst du etwa auch Tschechisch? Ja, sie sind auch überrascht und sie können sich nicht vorstellen, dass ich diese ja eher seltene Sprache gelernt habe. Vor allem als Deutscher. Manche sagen dann eben auch: Du kannst doch nicht etwa Tschechisch, oder? Vor drei Jahren war ich im Urlaub in Athen. Und ich komme ja aus Dresden. Und als wir unter der Akropolis dann in Athen standen, haben wir eine Schulklasse gesehen. Die haben alle Deutsch gesprochen. Und meine Oma, die war auch da mit im Urlaub. Sie meinte plötzlich zu mir, dass sie einen der Jungs aus dieser Schulklasse kennt. In Athen! Und eigentlich sind wir alle aus Dresden. Und meine Reaktion war dann: Die kommen doch nicht etwa aus Dresden! Ich hätte auch sagen können: Kommen die etwa aus Dresden?

Achtet auch auf den Unterschied in der Betonung zwischen diesen beiden Formulierungen. Hört ihr den Unterschied in der Intonation? Wir gehen jetzt nochmal zurück zur Aussprache. Wenn wir schon dabei sind. Dazu schauen wir uns nochmal diese beiden Sätze an. Ist dir etwa kalt? Frierst du etwa? In der Regel ist diese Modalpartikel ETWA unbetont. Man spricht sie also ganz kurz und ganz schnell aus. Hört mal genau zu. Wenn man sich in normaler muttersprachlicher Geschwindigkeit unterhält, reduziert sich das Wort auch oft zu [tva]. Das ist übrigens auch einer der Gründe, warum man manchmal denkt, dass Deutsche sehr schnell sprechen. Weil wir eben viele so kleine Wörter nicht immer vollständig aussprechen, sondern reduzieren. Hören wir uns das mal in 60% Geschwindigkeit an.

Ja, also hier sage ich eigentlich gar nicht: ETWA. Das [ˈɛ] fällt eigentlich weg und ich sage nur: [tva]. Im zweiten Satz haben wir übrigens eine Besonderheit. Und zwar steht die Modalpartikel ETWA hier am Satzende. In diesem Fall ist sie nicht so unbetont. Sie ist auch nicht wirklich stark betont, aber auf jeden Fall ist sie etwas lauter und deutlicher zu hören, als im ersten Satz. Hören wir uns nochmal die beiden Sätze in 60% Geschwindigkeit an. Achtet mal darauf, dass sie im zweiten Satz, also in der Frage, diese Modalpartikel ein bisschen stärker, ein bisschen lauter ausgesprochen wird. Also: in der Regel ist die Modalpartikel ETWA unbetont, wird sehr schnell und sehr kurz gesprochen, oft auch zu [tva] reduziert [tva]. Wenn sie aber am Satzende ist, ist sie ein bisschen lauter.

Jetzt zu der Kollokation: DOCH NICHT ETWA. Dir ist doch nicht etwa kalt. Die vollständige Aussprache aller drei Wörter wäre: [dɔx nɪçt ˈɛtva] Da das aber alles zusammengehört, also quasi alle zusammen eine Einheit bilden, werden diese drei Wörter wie ein einziges Wort ausgesprochen. Das liegt daran, dass alle drei Wörter Partikeln sind, sprich: das sind Funktionswörter, keine Inhaltswörter. Solche Funktionswörter werden im Deutschen in der Regel schnell, unbetont und reduziert ausgesprochen. Und wenn es wie hier mehrere Funktionswörter hintereinander gibt, dann verbinden die sich miteinander. In einer normalen Gesprächssituation. Also nicht geskriptet, nicht wenn man einem kleinen Kind etwas ganz deutlich sagen oder erklären will. Sondern wirklich in einer ganz normalen Situation würde kein deutscher Muttersprachler sagen: Sondern DOCH reduziert sich zu [dɔ]. Das CH, also dieses [x] fällt einfach weg. NICHT reduziert sich zu [nɪç], was übrigens total typisch ist für die deutsche Sprache. Nicht nur in diesem Beispiel. Wenn ihr mal drauf achtet, z.B. in meinen Videos oder auch woanders, werdet ihr merken, dass nur selten wirklich NICHT gesagt wird, mit dem T. Meistens sagt man: [nɪç] Aber zurück zu unserer Kollokation. Wir fügen jetzt das [dɔ] und das [nɪç] zusammen: Ganz schnell das ganze. Das ETWA kommt direkt hinten dran, ohne Knacklaut. Das heißt ohne Pause sozusagen. Alles klingt wie ein einziges Wort. Und natürlich ist das alles unbetont im Satz. Hören wir uns diesen Satz noch mal in 60% Geschwindigkeit an.

Übrigens, wenn so was jemand zu euch sagt, müsst ihr aufpassen, wie ihr antwortet. Ist dir etwa kalt? – Ja, weil wir schon so lange hier im Schatten sitzen. Das ist eine Ja/Nein-Frage. Ihr antwortet dann also mit JA oder NEIN. Dir ist doch nicht etwa kalt, oder? – Doch, weil wir schon so lange hier im Schatten sitzen. Das ist ja keine Frage, sondern eine verneinte Aussage. Darauf antwortet ihr also mit DOCH oder NEIN.

Hier ist ein wichtiger Tipp: Hört euch die Beispiele aus diesem Video bitte nochmal an, macht immer wieder Pause dazwischen und sprecht das nach. So gewöhnt ihr eure Mundmuskulatur und eure Zunge an diese Lautkombinationen und Wortkombinationen. Wenn ihr das so macht und auch diese reduzierten Formen wirklich so aussprecht, dann klingt ihr sozusagen richtig deutsch, ihr sprecht automatisch schneller und es wird euch auch leichter fallen. Und ich habe eine Frage an euch. Würdet ihr verstehen, wenn jemand das zu euch sagen würde? Deutsch ist doch nicht etwa eine Fremdsprache für dich! Ich sage es nochmal. Würdet ihr das verstehen? Wie würdet ihr darauf reagieren? Schreibt es mir bitte mal unten in die Kommentare rein. Und klickt bitte auf den Daumen nach oben, wenn ihr der Meinung seid, dass dieses Video auch für andere Menschen nützlich sein könnte.

Danke euch. Ihr lernt Deutsch mit Benjamin auf YouTube und ich freue mich auf euch im nächsten Video.

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