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VonBenjamin

Aussprachetraining: Intonation in Fragesätzen | Natürlich Deutsch sprechen

Im heutigen Aussprachetraining lernt ihr die korrekte Intonation in Fragesätzen. Unter der Intonation sei hier im engeren Sinne die Sprechmelodie zu verstehen.

Hallo liebe You-Tube Deutschlerner. Willkommen bei Deutsch mit Benjamin, der ersten Adresse für alle fortgeschrittenen Deutschlerner, die ihre Deutschkenntnisse perfektionieren wollen und diesmal mit einem Video direkt von meinem Balkon aus. Der Frühling zeigt sich nämlich heute von seiner besten Seite. Das kann man jetzt in dem Video hier nicht so gut sehen, aber es ist echt wunderschönes Wetter und das Video entsteht auch sehr spontan. Also ohne Vorbereitung mache ich es, weil es mir heute im Aussprache-Training eingefallen ist und ich auch immer wieder diese Sache angetroffen habe, über die ich heute sprechen will.

Es geht nämlich um die Intonation in Fragesätzen. Und das ist ein weit verbreiteter Trugschluss, mit dem ich heute aufräumen möchte. Also ein Trugschluss ist ein Irrglaube etwas das viele Menschen glauben, was aber nicht der Wahrheit entspricht. Man sagt der Trugschluss oder der Irrglaube. Und ich möchte mit diesem Trugschluss aufräumen, habe ich noch gesagt. Also aufräumen heißt in dem Fall nicht das Zimmer sauber machen und alle Sachen wieder an den ursprünglichen Platz zurücklegen, sondern es heißt mit einem Vorurteil zum Beispiel könnte ich auch aufräumen, oder mit einem Trugschluss aufräumen heißt: das widerlegen. Also einfach zeigen, dass es ein Trugschluss ist, dass es eben nicht der Wahrheit entspricht.

Ich zeige das deutlich, dass das falsch ist. Aber ich habe es tatsächlich von vielen Lehrern auch schon gehört, von vielen Deutschlehrern. Selbst muttersprachliche Deutschlehrer haben das schon gesagt und ich habe das schon gesehen, in verschiedenen Videos auch. Also, viele sagen, viele glauben, dass die Stimme am Ende von Fragesätzen in der deutschen Sprache nach oben gehen muss. Immer. Und das ist einfach falsch. Das ist nicht richtig. Wir gehen nicht nur in Aussagesätzen, sondern eben auch in Fragesätzen mit der Stimme am Ende nach unten. Haben also keine steigende Intonation, sondern eine fallende Intonation. Ich gebe euch ein einfaches Beispiel. Wenn ich euch zum Beispiel fragen würde, wie lange ihr schon in Deutschland lebt, ja? Nehmen wir… Angenommen ihr seid jetzt in Deutschland, ihr lebt in Deutschland und ich würde euch fragen, wie lange ihr schon in Deutschland lebt. Dann würde ich fragen: „und wie lange lebst du eigentlich schon in Deutschland?“ Merkt ihr das? Ich gehe mit der Stimme ganz klar nach unten, überhaupt nicht nach oben.

Also ich sage nicht: „wie lange lebt ihr eigentlich schon in Deutschland“? Das ist falsch, das klingt nicht natürlich. Das ist nicht die richtige Art diesen Satz auszusprechen. Also ich gehe mit der Stimme nach unten: „wie lange lebst du eigentlich schon in Deutschland“? Stimme geht nach unten, sehr weit nach unten. Genauso wie auch in der Antwort die Stimme nach unten gehen würde. Da hätten wir ja auch eine fallende Intonation. Seit fünf Jahren. Seit fünf Jahren, ja? Stimme geht auch nach unten. Und das betrifft auch Fragesätze nicht nur Aussagesätze.

Es gibt ein paar Fälle, wo wir in Fragen dann doch mit der Stimme am Ende nach oben gehen, tatsächlich nach oben gehen. Wo wir also wirklich eine steigende Intonation haben. Das ist aber nicht der Normalfall. Das sind Spezialfälle.

Der erste Fall betrifft Ja-Nein Fragen. Wenn ich euch also eine Ja-Nein Frage stelle, das heißt eine Frage, auf die ihr dann entweder mit ja oder mit nein antworten könnt. Dann würde ich meine Stimme am Ende anheben. Dann würde ich fragen zum Beispiel: „kommt ihr eigentlich auch morgen mit auf den Ausflug“? Ja, also hier gehe ich mit der Stimme am Ende nach oben. Weil ihr könnt antworten: „ja ich komme auch mit“, oder „nee du ich glaube ich habe keine Lust“. Ja, also noch mal die Frage: „kommt ihr eigentlich morgen auch mit auf den Ausflug“? Ja, okay hier gehe ich mit der Stimme nach oben. Aber das ist, wie gesagt, der Spezialfall Ja-Nein Frage, eine Entscheidungsfrage sagt man auch.

Der zweite Spezialfall ist, wenn ich unsicher bin und nachfragen muss. Also es geht hier um Nachfragen: Was hast du gesagt? Wie war das? Wie meinst du das? Wie heißt du noch mal? Okay, also in solchen Fragen, wo ich einfach nicht sicher bin, wo ich noch mal nachfragen muss. Eigentlich kenne ich schon die Antwort, oder ich habe die Antwort irgendwann schon mal bekommen, aber ich bin mir nicht sicher, oder ich habe es nicht richtig gehört, ich frage nach. Ja, dann gehe ich mit der Stimme auch nach oben. Also wenn ihr beispielsweise in einem Gespräch seid und … so ein Telefongespräch oder Skype-Call, die Verbindung ist schlecht, dann sagt ihr nicht: „was hast du gesagt, was hast du gesagt“? Also das wäre dann komisch, mit fallender Intonation. Dann müsst ihr die Stimme tatsächlich anheben: „was hast du gesagt, was“? Ja, auch wenn man nur dieses eine Wort fragt: „was, wie bitte“?, geht man auch mit der Stimme so nach oben. Ja, weil diese steigende Intonation auch Unsicherheit zeigt.

Und der dritte Spezialfall ist, wenn wir Fragen stellen, mehrere Fragen hintereinander, wie so eine art Checkliste. Beispielsweise wenn ihr beim Finanzamt seid. Ihr geht zum Finanzamt nach Deutschland und die Mitarbeiterinnen dort die Sachbearbeiterin fragt euch ganz ganz viele Sachen. Sie stellt euch ganz ganz viele Fragen. Zum Beispiel: „wie lange leben Sie schon in Deutschland? Haben Sie Kinder? Gehen sie hier zur Schule? Was sind Sie vom Beruf? Was machen Sie oder was haben Sie studiert“? Und so weiter, also tausend Fragen… Die Frau in dem Fall fragt euch nicht, weil sie das wirklich wissen will. Das ist keine natürliche Gesprächssituation, sondern es ist eine Checkliste quasi, die sie abarbeiten muss, weil sie diese Antworten braucht, um die ins System da einzutragen, ja? Also wenn man mehrere Fragen stellt und das eigentlich… Eigentlich will man die Antwort nicht unbedingt wissen. Es interessiert einen eigentlich nicht, sondern man braucht die Antwort einfach, um das abzuhaken. Ok, nächste Frage, weiter, ja? Dann geht man mit der Stimme auch nach oben, hat man auch diese steigende Intonation.

So, also um es noch mal ganz kurz zusammenzufassen. Wir gehen mit der Stimme in Fragesätzen nur dann nach oben, wenn wir eine Ja-Nein Frage stellen. Wenn wir nachfragen. Das heißt bei Unsicherheit um uns noch mal zurück zu versichern. Und wenn wir mehrere Fragen schnell hintereinander stellen, wie auf einer Checkliste, die wir abarbeiten, mit mehreren Fragen, ja? In allen anderen Fällen, also das sind ja wirklich drei Spezialfälle, die jetzt nicht jeden Tag vorkommen… Doch! Also, gut die Ja-Nein Frage, die kommt definitiv jeden Tag vor, die Nachfrage auch, aber wenn ihr euch überlegt, wie man Fragen stellt. Also meistens hat man ja so ein Fragewort: was, wie, wo, wann, ja? Und dann in der Regel hat man nicht diese Checkliste, die man abarbeitet in ganz normalen Gesprächen. Es sei denn ihr arbeitet vielleicht an so einem Kundentelefon oder ihr arbeitet selbst für irgendein Amt, oder eine Behörde oder so, dann müsst ihr eure Kunden oder Gesprächspartner vielleicht tatsächlich nach so vielen Sachen fragen, ja? Also dann wäre das vielleicht auch definitiv relevant für euch, aber meistens im Leben stellt man entweder Ja-Nein Fragen. Okay, dann gehe ich mit der Stimme nach oben, oder eben Fragen mit Fragewort, aber dann geht die Stimme nach unten, okay?

Gut das soll es gewesen sein und ich danke euch fürs Zuschauen. Ihr lernt Deutsch mit Benjamin auf You-Tube und ich freue mich auf euch im nächsten Video.

VonBenjamin

Akzentfrei Deutsch sprechen & Deutsch besser verstehen | Deutsch lernen mit Serien

Hier analysieren wir einen Serienausschnitt im Hinblick auf Aussprache, Intonation und Sprechmelodie. Das ist eine effektive Übung, mit der ihr euer Hörverstehen verbessern sowie akzentfrei Deutsch sprechen lernen könnt. Der Ausschnitt stammt aus der 1. Folge der ZDF-Miniserie „Deutscher“. Wir analysieren ein kurzes Gespräch. Ulrike schlägt Eva vor, am Wochenende zusammen zu grillen, doch Eva ist bereits verabredet.

Transkript:

Hallo liebe YouTube-Deutschlerner. Heute analysieren wir, wie Deutsche wirklich sprechen. Wir schauen uns dazu eine kleine Szene aus der deutschsprachigen Mini-Serie „Deutscher“ an und gucken dann ganz genau auf die Intonation, d.h. die Sprechmelodie und Betonung sowie auf Reduzierungen, d.h. welche Wörter und Laute nicht mitgesprochen oder verändert werden. Das ist eine sehr sehr effektive Übung, die euch helfen wird, euer Hörverstehen zu steigern und auch selbst schneller zu sprechen, flüssiger zu sprechen, also locker und leicht auf natürliche Weise Deutsch zu sprechen.

So, was haben wir hier genau gehört? Ich schaue immer als erstes gerne auf die Intonation, weil das meiner Meinung nach ganz wichtig ist. Intonation, ja, also damit meine ich die Satzmelodie und die Betonung von Silben und Wörtern. Und da fällt mir hier als erstes auf, dass die Stimme am Ende weit nach oben geht. Auf dem Verb „grillen“ liegt also auch ganz klar eine der Hauptbetonungen. Außerdem höre ich hier noch eine weitere Betonung, hier, und noch lauter hier, auf dem Nomen „Wochenende“. So, zwei Hauptbetonungen. Wochenende und grillen. In vielen Lehrbüchern kann man lesen, dass es im Deutschen nur einen Satzakzent gibt, also nur eine Hauptbetonung, was aber einfach falsch ist. Das sehen wir ja eben hier. Sowohl „grillen“ als auch „Wochenende“ tragen hier jeweils eine der Hauptbetonungen. Sie sind beide gleich laut. So, wir haben hier übrigens ein schönes Redemittel: „Sag mal“ – eignet sich sehr gut, wenn man jemandem eine Frage stellen will, so um die Aufmerksamkeiten der Person zu kriegen. Hier höre ich tatsächlich ein [g], also den stimmhaften Laut, also kein [k], keine Auslautverhärtung, sondern wirklich [g] und das liegt wohl daran, dass diese Phrase zusammengehört, dieses Redemittel „Sag mal“. Außerdem haben wir hier zwei Reduzierungen. Das A ist nämlich kurz und das L spricht sie nicht mit. Auch hier wird natürlich das zweite L nicht mitgesprochen. Dann fällt hier dieses e-Schwa weg: „wollen“.

Und das Wort „wir“ wird hier auch reduziert. Das eigentlich lange, gespannte [i:] wird zu einem kurzen, ungespannten [ɪ] und das a-Schwa fällt weg. Und auch das nächste Wort wird reduziert. Das lange I hört man hier überhaupt nicht, ja, statt „vielleicht“ sagt sie „fleicht“. Das V sprechen wir hier ja in jedem Fall als [f], ja? So und aus „vielleicht“ wird eben „fleicht“. Und dann kommt es noch hier zur Verbindung dieser beiden Wörter, sodass man also dazwischen keine Pause hört und auch das T hier nicht aspiriert ist, sondern so ganz subtil: also nicht [th], sondern [t]. Okay, alles bis hierher dauert noch nicht einmal eine Sekunde. Und das ist normales muttersprachliches Sprechtempo. Und in all diesen Wörtern haben wir Reduzierungen bzw. Lautveränderungen oder -verbindungen. Aus „sag mal, wollen wir vielleicht“ wird „sag mal, wollen wir vielleicht“. Das liegt daran, dass all diese Wörter bis hierher Funktionswörter sind und unbetont sind bzw. nur eine Nebenbetonung tragen, ja, wir haben eine leichte Betonung auf „sag“ und auf „wollen“, weil das ja Verben sind, aber „sag“ gehört ja zu diesem Redemittel „sag mal“, hat also nicht die übliche Bedeutung, ja, man könnte das auch einfach weglassen. Und „wollen“ ist ein Modalverb, also ein Funktionswort. Dieser Teil bis hierhin zeigt meiner Meinung nach sehr sehr schön, dass wir im Deutschen nicht so sprechen, wie wir schreiben und daran seht ihr auch, wie wichtig es ist, solche Analysen zu machen.

Außerdem ist das ein sehr praktischer Satz, wie ich finde, um einen Vorschlag zu machen, also „sag mal, wollen wir vielleicht“ – ein praktisches Redemittel. Wir hören uns das nochmal an, dreimal hintereinander und dann mache ich eine Pause und in dieser Pause macht ihr bitte Shadowing, d.h. ihr sprecht das bitte dann direkt nach.

Jetzt haben wir hier das erste Wort, in dem es fast keine Reduzierungen gibt, da es eine der Hauptbetonungen hat: „Wochenende“. Achtet auf die Pause, also den Knacklaut hier zwischen den beiden Teilen, typisch deutsch, ja, das verbinden wir nicht. Das ist ja ein Kompositum, ein zusammengesetztes Nomen, ein Inhaltswort, stark betont, also beide Teile werden klar getrennt voneinander ausgesprochen, mit Knacklaut dazwischen. Ja, und auch in Inhaltswörtern kann es Reduzierungen geben, deswegen habe ich auch gesagt, fast keine. Hier wird nämlich auch wieder das e-Schwa getilgt. Am Ende dieses e-Schwa bleibt, ja, das können wir nicht tilgen, und natürlich, dieses CH hier sprechen wir mit dem Ach-Laut aus, das ist ganz klar, ja, also „Wochenende“. In dem Wort „zusammen“ haben wir wieder eine e-Schwa-Tilgung. Ihr habt schon gehört, jetzt auch von mir. Hier wird natürlich auch nur ein M gesprochen, so und dadurch kommt es zu einer progressiven Assimilation, ein schweres Wort. D.h. das M, das zuerst kommt, löscht sozusagen das N, das danach kommt. Ja, deswegen progressive Assimilation. Assimilation heißt Beeinflussung und progressiv heißt in die Richtung nach vorne, also vorwärts. Somit fällt also eine komplette Silbe weg. Statt „sammen“ hören wir nur „samm“. Diese Silbe „samm“ ist die betonte Silbe in dem Wort. Die letzte Silbe fällt wie gesagt weg und die erste ist unbetont. Das ganze Wort ist auch unbetont im Satz. Deshalb wird diese erste Silbe auch reduziert hier, aus dem Vokal [ʊ] zusammen, ja aus diesem Vokal [ʊ] wird ein e-Schwa und das ist auch nur ganz schwach zu hören: „zusammen“. Das Wort „grillen“ ist ja, wie wir am Anfang schon festgestellt haben, sehr deutlich zu hören, die Stimme geht weit nach oben, aber wie bei Verben im Infinitiv so üblich wird auch hier das e-Schwa getilgt und natürlich auch wieder nur ein L mitgesprochen, das ist ganz klar. Ansonsten kommt es aber hier zu keinen weiteren Reduzierungen. Machen wir jetzt also Shadowing mit der ganzen Frage.

In dieser Äußerung haben wir auch wieder zwei Betonungen. „Ich gehe jetzt gleich einkaufen. Deswegen.“ „Geh, einkaufen.“ Am Ende das Wort „deswegen“ – hier bleibt die Stimme so auf gleicher Höhe, d.h. weder steigende noch fallende Intonation. Das drückt so ein bisschen Verlegenheit oder Unsicherheit aus, weil sie hat ja gefragt, ob sie zusammen grillen wollen, aber irgendwie noch keine Antwort bekommen, also sie wartet quasi auf die Antwort. Bei dem Wort „ich“ am Anfang von Sätzen passiert hier etwas ganz Typisches, das könnt ihr euch merken für Sätze, die mit „ich“ beginnen. Nicht nur in diesem Fall, sondern generell. „Ich“ beginnt ja mit einem Vokal, nämlich mit einem kurzen, ungespannten [ɪ], also vor dem Vokal müssen wir einen Knacklaut artikulieren. Und hier haben wir eine regressive Assimilation, d.h. der ich-Laut, der ja hier nach dem Vokal kommt beeinflusst den Vokal, und zwar macht er aus dem ungespannten [ɪ] ein gespanntes [i]. Beim ich-Laut ist die Zunge ja ziemlich weit oben, der Mund ist nur ganz leicht geöffnet und bei dem gespannten [i] ist die Zunge in derselben Position. Beim ungespannten [ɪ] ist die Zunge nicht ganz so weit oben. Deshalb ist es einfacher mit dem gespannten [i], diese beiden Laute auszusprechen. Dieses Wort. Das ist allerdings nur ganz leicht zu hören dieses [i], wirklich ganz ganz kurz. Ja, also man könnte fast sagen, es ist quasi nur der Knacklaut, dann ein ganz ganz leichtes [i] und dann schon der ich-Laut. Danach kommt das Verb, das hat eine Betonung und dann kann man das auch nochmal besser hören, was ich erklärt habe, mit dem Verb zusammen. „Ich gehe“. Ja, hier sprechen wir natürlich das H nicht mit und ganz typischerweise wird hier auch das e-Schwa getilgt. Das machen wir fast immer bei Verben in der ich-Form. So, nun haben wir wieder Funktionswörter, also Reduzierungen. Aus dem Vokal Ä wird ein e-Schwa und das T am Ende fällt weg. Hier bleibt noch das [t͡s], also: „jetzt“. Das Wort „einkaufen“ betonen wir hier und da es mit einem Diphthong beginnt, haben wir hier auch diese Pause, diesen Knacklaut. Und natürlich wieder eine e-Schwa-Tilgung in der Infinitivendung. Außerdem haben wir wieder eine regressive Assimilation: dieses [k] ist ja ein velarer Laut, wird also am hinteren Gaumen gebildet und das [n] ist ja ein alveolarer Laut, wird also am vorderen Gaumen gebildet. Das passt also nicht zusammen. Deshalb wird hier nicht [n], sondern [ŋ] gesprochen, weil dieses [ŋ] auch wie das [k] velar, also am hinteren Gaumen gebildet wird. Ja, deswegen sagen wir auch „Bank“ und nicht „Ban-k“. Und dasselbe passiert auch am Ende von „deswegen“, nur dass es hier eine progressive Assimilation ist. Das velare [g] verursacht, dass das [n] auch zu dem velaren [ŋ] wird. Ja, damit sich unsere Zunge nicht bewegen muss, damit das alles am selben Ort ausgesprochen werden kann, in diesen beiden Fällen eben am hinteren Gaumen. Achtung, Shadowing.

Hier höre ich auch wieder zwei Betonungen, und zwar auf „sind“ und „ab“. Das Wort „wir“ ist hier zwar unbetont und dadurch natürlich sehr leise, aber nicht wirklich reduziert. Hier höre ich, dass die beiden Wörter verbunden werden, also kein [th], ja, keine Auslautverhärtung. Ich höre hier stattdessen ein sogenanntes lateral gelöstes D. Das erkläre ich euch mal gesondert in einem anderen Video. Ja, hier dieses D und das L, das verbindet sich miteinander und so entsteht eben so ein [dl]: „sind leider“. Also nicht „sind leider“, sondern „sind leider“, „sind leider schon“. Hier schön mit dem kurzen, ungespannten [ɔ]: „schon“. Sehr typisch. Merkt euch das also bitte, ja, so und dann haben wir ein Inhaltswort, das ist betont, genauer gesagt der Verbstamm, denn dieses Verb ist ja nicht trennbar, also betonen wir nicht das Präfix. Das Präfix ist unbetont und wird damit auch verkürzt. Hier ist nur ein a-Schwa. „ver-“. Dann hier eine leichte Pause, ein leichter Knacklaut, ja, ganz leicht, und dann die lauteste Silbe in dem Wort: „ab“, mit Auslautverhärtung, nicht reduziert, also kein [b], sondern ein stimmloses [p]. Und dieses stimmlose [p] macht tatsächlich auch das R, also den Laut [ʁ] stimmlos, wir haben also hier tatsächlich den ach-Laut [x]. Das ist auch ganz typisch. Nach stimmlosen Plosiven, wie z.B. [p] wird aus dem [ʁ] ein [x]. Okay, auch dieser Satz ist ja sehr praktisch, also machen wir auch damit Shadowing.

Ah! Ganz typische Melodie hier. Die Grundmelodie von jeder Äußerung im Deutschen. Machen wir mal ganz langsam. Aaaaaaaaah! Fallende Intonation. Und auch so: Wann denn? Ja, hier merkt man auch schön, dass wir auch in Fragen eine fallende Intonation haben. Nur in Entscheidungsfragen, also Ja-Nein-Fragen haben wir eine steigende Intonation, das haben wir ganz am Anfang gesehen: Wollen wir vielleicht am Wochenende zusammen grillen? Die möglichen Antworten sind Ja oder Nein. Und in Nachfragen, wenn wir etwas nicht verstanden haben, haben wir auch steigende Intonation. Was hast du gesagt? Wie heißt das nochmal? Aber sonst in der Regel fallende Intonation. Auch hier wieder: Samstag? Steigend, das ist nur eine Option und man könnte wieder antworten Ja oder Nein. Aber dann: Samstag oder Sonntag? Da geht die Stimme wieder runter, ja, durch das „oder“ ist es ja dann keine Ja-Nein-Frage mehr. Die Antwort muss dann entweder Samstag oder Sonntag sein. Also diese Melodie hier ist auch ganz ganz typisch für solche Auswahlfragen mit „oder“. Hoch oder runter? Ja oder nein? Du oder ich?

So, hier haben wir eine unbetonte Modalpartikel, der Vokal reduziert sich zum e-Schwa und natürlich wird jeweils nur ein N hier ausgesprochen. „Wann denn?“ Das T hier aspiriert sie nicht und sie spricht hier auch kein langes, sondern ein kurzes [a]. Und natürlich ein [k] wegen der Auslautverhärtung. „Samstag?“ „Samstag oder“ – mit ganz kurzem a-Schwa hier. Das Wort ist nicht betont, deshalb kurz und schnell. Deshalb ist auch dieses [d] hier sehr undeutlich sozusagen. Manche von euch hören hier vielleicht sogar ein gerolltes [r]. Ja so aber nicht mehrmals gerollt, sondern nur einmal. Man nennt das einen Flap. In der zweiten Option hier „Sonntag“ höre ich das T klar aspiriert und auch ein langes [a:]. Außerdem natürlich wieder ein [k] hier am Ende und nur ein N. „Sonntag“. Machen wir auch noch mit dieser Frage Shadowing.

Hier in der Antwort hört sich das Wort genauso an wie in der Frage. Hören wir uns jetzt das ganze Gespräch nochmal an und ich hoffe, dass sich das für euch jetzt gleich auch viel natürlicher anhört.

Wow, ich glaube, ihr gebt mir recht, wenn ich sage, dass man aus so einem kurzen Gespräch einfach wirklich eine Menge über die gesprochene deutsche Sprache lernen kann. Solche Analysen findet ihr übrigens auch in meiner Online-Akademie, der einzigen Lernplattform weltweit, die auf dieser Methode aufbaut. Um mehr darüber zu erfahren, klickt bitte auf den Link gleich hier unter dem Video.

Danke fürs Zuschauen. Ihr lernt Deutsch mit Benjamin auf YouTube und ich freue mich auf euch im nächsten Video.